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Faktencheck

5 Irrtümer über Wärmepumpen und Solarstrom.

Mythen aus Stammtisch und Talkshow — wir prüfen sie nüchtern und faktenbasiert. Fünf Aussagen, die wir wöchentlich hören. Was stimmt davon, was ist schlicht falsch.

Energieberater plant eine Photovoltaik-Anlage am Tablet

Kaum ein Thema bekommt so viel halbgares Halbwissen ab wie Wärmepumpen und Photovoltaik. „Funktioniert nicht im Altbau", „lohnt sich nur im Süden", „wird im Winter eh teuer" — wir hören diese Sätze in fast jeder Erstberatung. Höchste Zeit, sie einmal nüchtern auseinanderzunehmen. Hier sind die fünf Irrtümer, die uns am häufigsten begegnen — mit Quellen, ohne Schaum vor dem Mund.

Irrtum 1: „Wärmepumpen funktionieren nicht im Altbau."

Falsch. Was stimmt: schlecht gedämmte Altbauten brauchen höhere Vorlauftemperaturen als ein Neubau mit Fußbodenheizung. Aber moderne Wärmepumpen — etwa die Buderus WLW186i AR, die wir am häufigsten verbauen — schaffen Vorlauftemperaturen bis 70 °C bei vernünftigen COP-Werten. Damit lassen sich auch alte Heizkörper-Installationen wirtschaftlich betreiben.

Was Sie tun sollten: eine ehrliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Damit sehen Sie, ob Ihre vorhandenen Heizkörper für die typische Auslegungstemperatur von 55 °C ausreichen — und das tun sie in den allermeisten Berliner Altbauten der 50er–80er Jahre.

Irrtum 2: „Photovoltaik lohnt sich nur im Süden."

Stark übertrieben. Berlin und Brandenburg haben rund 1.000 kWh Einstrahlung pro m² und Jahr — München kommt auf etwa 1.150. Das ist ein Unterschied von 15 %, kein Faktor 2. Eine 10-kWp-Anlage in Berlin produziert typischerweise 9.000–9.500 kWh pro Jahr. Das deckt einen 4-Personen-Haushalt locker, mit Speicher liegt der Autarkiegrad bei 70–80 %.

Der wirtschaftlich relevantere Faktor ist nicht der Sonnenstand, sondern der Strompreis vom Versorger. Und der ist in Berlin höher als in vielen süddeutschen Regionen — was die Ersparnis pro kWh selbst produzierter Strom höher macht.

1.000 kWh/m²Solareinstrahlung Berlin · pro Jahr
1.150 kWh/m²Solareinstrahlung München · pro Jahr

Irrtum 3: „Im Winter heizt eine Wärmepumpe nicht warm genug."

Falsch — wenn richtig ausgelegt. Moderne Wärmepumpen sind für die kälteste Auslegungstemperatur Ihres Standorts dimensioniert (in Berlin: −14 °C). Das heißt: die Anlage ist so groß ausgelegt, dass sie auch an den drei kältesten Tagen des Jahres allein die volle Heizlast deckt.

Was Sie spüren werden: an sehr kalten Tagen sinkt der COP (Coefficient of Performance) — die Effizienz also. Statt 4,2 kWh Wärme pro 1 kWh Strom sind es dann vielleicht nur noch 2,5. Aber „warm" wird es trotzdem. Die Sorge stammt meist aus alten Geräten der 90er-Jahre — die heutigen R290-Buderus-Geräte sind eine andere Liga.

Irrtum 4: „Speicher braucht man immer."

Nicht automatisch. Ein Batteriespeicher ist eine zusätzliche Investition von 5.000–10.000 € — und er rechnet sich nur, wenn er den richtigen Eigenverbrauch hebt. Bei einem 2-Personen-Haushalt mit überwiegender Stromabnahme tagsüber (Homeoffice) kann der Eigenverbrauch auch ohne Speicher bei 35–45 % liegen — dann ist ein Speicher mathematisch grenzwertig.

Bei einer Familie mit Stromabnahme abends, plus E-Auto, plus Wärmepumpe steigt der Eigenverbrauch mit Speicher von 25 % auf 75 %. Hier rechnet sich der Speicher klar.

Faustregel: Speichergröße in kWh ≈ Tagesverbrauch in kWh. Größer ist selten sinnvoll, kleiner manchmal.

Irrtum 5: „Förderung gibt es nicht mehr."

Schlicht falsch. Für den Heizungstausch zu einer Wärmepumpe sind 2026 bis zu 80 % Förderung möglich — wenn Sie die Boni stapeln können:

Gedeckelt ist die Förderung auf 80 % der förderfähigen Kosten bei max. 28.000 € Bemessungsgrundlage für die erste Wohneinheit (43.000 € bei zwei Einheiten) — also bis zu 22.400 € Zuschuss. Für Photovoltaik gibt es zwar keinen Zuschuss, aber den massiven Steuervorteil: 0 % Umsatzsteuer auf Module, Speicher und Installation für private Anlagen unter 30 kWp.

Was bleibt

Wer einen Heizungstausch erwägt, sollte sich nicht von Talkshow-Sätzen abschrecken lassen. Die Physik ist auf der Seite der Wärmepumpe — und die Mathematik der Stromproduktion auf der Seite des eigenen Daches. Wer es genau wissen will, lässt sich rechnen — am besten von jemandem, der bereit ist, auch die Fälle abzuraten, in denen es sich nicht lohnt.

Faktencheck für Ihre Situation.

Geben Sie ein paar Eckdaten ein — der Konfigurator zeigt sofort, was bei Ihnen realistisch ist. Ehrlich, mit echten Zahlen, ohne Schönfärberei.